Zum Abschluss des Jahres habe ich noch einen weiteren Interviewgast für euch. Lucas von meinefinanziellefreiheit.com bloggt über den Weg zur finanziellen Freheit. Dabei beschäftigt er sich mit den Einstellungen und Notwendigkeiten dieses Weges. Er setzt sich dabei kritisch mit vielen Themen auseinander und ich lese seine Beiträge sehr, sehr gerne. Nachdem ich auf seinem Blog einen Gastbeitrag veröffentlichen durfte, hab ich ihn auch um ein Interview gebeten. Aber lest selbst wer Lucas genau ist und was er dir mitteilen will:

Wer bist du und was machst du?

Ich bin 35 Jahre alt

[Stand 2016], verheiratet und Vater zweier Kinder. Zurzeit bin ich unselbständig bei einem internationalen Dienstleistungsunternehmen beschäftigt – ein Job, der mir sehr viel Freude bereitet. Ich bin selbst noch nicht finanziell frei, aber nach meiner Einschätzung gut auf dem Weg in Richtung finanzielle Freiheit unterwegs. Ich erwarte, dass ich in 5 bis 7 Jahren finanziell frei (in der von mir propagierten Definition) sein werde.

Was ist deine Meinung zum Thema Aktien und Geldanlage?

Mit der Beantwortung könnte ich wahrscheinlich mehrere Blog-Artikel bestreiten 😉 Jedenfalls sei gesagt, dass in Deutschland/Österreich die Themen Aktien und Geldanlage leider ein Schattendasein führen. Die Gründe dafür sind sicher vielschichtig und reichen von Risikoaversion, über das Propagieren des „Sparbuchsparens“ durch Politik und Banken bis hin zur Brandmarkung von Investoren durch die Boulevard-Medien als „Spekulaten“ oder „Zocker“. Gleichzeitig besteht auf Grund der demographischen Entwicklung und der absehbaren Kürzung der staatlichen Pensionssysteme ein dringender Bedarf nach ernsthafter Beschäftigung mit privatem Vermögensaufbau und Geldanlage. Auch um das zu fördern, möchte ich mit meinem Blog beitragen.

Wer ist dein größtes Vorbild in Sachen Geldanlage und wieso?

Die Beantwortung dieser Frage fällt mir schwer, denn auch in anderen Lebensbereichen finde ich role models selten 100%-ig passend. Leicht wäre es hier natürlich die üblichen Verdächtigen zu den Themen Geldanlage, Börse & Co zu nennen – es würden die Namen W. Buffet, A. Kostolany, P. Lynch & Co fallen. Problematisch finde ich bei der leichtfertigen Nennung dieser Vorbilder, dass es wohl kaum gelingen wird diesen Personen in ihrem Investitionsverhalten auch nur annähernd gleichzukommen. So viel sei aber gesagt: Ich hatte vor einigen Jahren das Privileg W. Buffet persönlich zu treffen und konnte daraus eine Menge an Inspiration schöpfen. Seine treffsicheren und oft stark zugespitzten Analysen komplexer Sachverhalten finde ich großartig.

Was sind für dich die drei wichtigsten Dinge im Leben und wieso?

1) Meine Familie und ihr Wohlergehen, 2) das Privileg in einem weltoffenen, vielfältigen und von Rechtsstaatlichkeit und Respekt geprägten Land leben zu dürfen – nur dass keine Missverständnisse aufkommen, natürlich kann und muss man auch in Österreich noch vieles verbessern, aber die Eckpfeiler der Gesellschaft sind nach meinem Dafürhalten richtig gesetzt 3) die Möglichkeit kritisch zu hinterfragen, meine eigene Meinung bilden und artikulieren zu können und das persönliche Fortkommen eigenverantwortlich gestalten zu können.
Zum ersten Punkt muss ich das „Wieso?“ hoffe ich nicht lange erläutern. Es liegt auf der Hand, dass mein für die Seinen Glück, Gesundheit und Zufriedenheit als höchstes Gut betrachtet. Ich schöpfe aus dem Rückhalt in meiner Familie sehr viel Kraft und Rückhalt und möchte dies keinesfalls missen.
Die Punkte 2) und 3) haben eine gewisse Verbindung. Ich schätze mich glücklich in einem freien Land leben zu dürfen, das seinen Bürgern Grundrechte garantiert und ein respektvolles Miteinander fördert. Obwohl ich von bestehenden Verbesserungsbedarfen und –möglichkeiten überzeugt bin, denke ich, dass dieses Gut gerade auch in der öffentlichen Diskussion nicht genug wertgeschätzt wird. Vielmehr werden oft Unzufriedenheit, Missstände und Probleme in den Vordergrund gestellt. Dadurch geht der Blick auf Chancen und Möglichkeiten jedes einzelnen und ein grundsätzlich positiv-optimistischer Mindset verloren. Denn darauf bezieht sich Punkt 3) ganz wesentlich. Es liegt an jedem einzelnen von uns Verantwortung für sich, für sein Umfeld und für die Gesellschaft zu übernehmen und gestalterisch zu wirken. Ein Rückzug auf die Erwartungshaltung gegenüber dem Staat/der Politik/der Gesellschaft bei gleichzeitiger Wehklage über Missstände ist nämlich keinesfalls angebracht – wir alle sind unseres Glückes Schmid und haben es selbst in der Hand.

Was sind deine nächsten, finanziellen Ziele?

Meine finanziellen Ziele sind klar abgesteckt. Einerseits habe ich für mich definiert, was finanzielle Freiheit für mich bedeutet. Dies kann jeder an Hand des in einem meiner Artikel erläuterten Leitfadens leicht für seine individuelle Situation nachvollziehen. Auf dem Weg dorthin, habe ich versucht durch möglichst einfach gehaltene Voraussetzungen und der Automatisierung von Verhaltensweisen auf komplexe Zwischenziele und das minutiösen Nachhalten von Meilensteinen zu verzichten. Dadurch hoffe ich, dass mir die Lust den Weg in Richtung finanzielle Freiheit zu gehen nicht so schnell vergeht.

Denkst du schon über deine Rente nach? Welche Probleme und welche Möglichkeiten siehst du auf dich zukommen?

Ehrlicherweise, nein. Unter Rente verstehe ich die von den Systemen der staatlichen Vorsorge etablierten Mechanismen der Versorgung im Alter, im Anschluss an ein langes Erwerbsleben. Nach realistischer Betrachtung werden diese Mechanismen, um finanzierbar zu bleiben, in den nächsten Jahren grundlegend überarbeitet werden müssen. Dies wird dazu führen, dass das Rentenantrittsalter signifikant steigen wird (auf 70 Jahre oder mehr) und/oder die Rentenhöhe auf ein Mindestmaß reduziert wird. Auch wenn die staatliche Rente zuweilen als Inbegriff des Glücks und Ziel alles Strebens beschrieben wird, will ich nicht 35 Jahre [Stand 2016] in die Zukunft denken müssen, um eine dann eine möglicherweise sehr niedrige Rente zu erhalten.

Auch und gerade deshalb, übernehme ich lieber selbst die Verantwortung für meine finanzielle Vorsorge (kapitalgedeckt und nicht im Umlageverfahren!) und beschäftige mich mit Fragen der finanziellen Freiheit.

Was war dein größter Fehler in deinem bisherigen Finanzleben? Was dein größter Erfolg?

Ich habe schon recht früh damit begonnen, mich mit Aktien und der Börse auseinander zu setzen. Meine ersten Schritte waren in den Boom-Jahren der Dotcom-Ära, die letztlich durch das spektakuläre Platzen einer Blase gekennzeichnet waren. Zwar hatte ich damals keine großen Beträge im Feuer, doch habe ich teures Lehrgeld bezahlt. Ich hatte in einige Aktien von gehypten Unternehmen investiert und v.a. für meine damaligen Verhältnisse eine Menge Geld verloren. Hätte ich damals gewusst, worüber ich heute blogge, wären viele diese Fehler nicht passiert und wäre ich wohl näher an der finanziellen Freiheit – man denke nur an den Zinseszins-Effekt des damals „verzockten“ Geldes!

Mein größter Erfolg ist wohl ein „leiser Erfolg“ – ich werde hier also sicher nicht mit dem tollen Investment in Aktie X, ETF Y oder Fremdwährungsanleihe Z prahlen. Ich werte es aber als großen Erfolg, das es mir seit meinem Einstieg ins Berufsleben vor ca. zehn Jahren ohne Entbehrungen und fast ohne es zu merken gelungen ist, meine Sparquote signifikant zu steigern. Dadurch konnte ich auch verhindern, dass mein Lebensstil und damit meine laufenden Kosten parallel mit dem Steigen meines Erwerbseinkommens angestiegen sind. Wie habe ich das gemacht? Lesen Sie mehr in diesem Artikel.

Was haben dir deine Eltern beigebracht, dass du auch mit anderen teilen willst?

Von meinen Eltern erhielt ich ein grundsätzlich sparsames, aber eher risikoaverses Finanzverhalten vorgelebt. Dafür bin ich meinen Eltern dankbar, denn dadurch wurden mir einige Grundsätze der finanziellen Bildung aus dem Elternhaus mitgegeben. Die Sparsamkeit wurde nur durch Ausgaben für Bildung, Urlaube/Reisen und die Investition in Konsumgüter von hoher Qualität durchbrochen. Bei Finanzanlagen wurde großes Augenmerk darauf gelegt, keine nominellen Verluste zu erzielen und entsprechend wurde vor allem per Sparbuch und Staatsanleihe veranlagt.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?

Die Frage regt natürlich zum Schwärmen und zu unrealistischen Wünschen an die Glücksfee ein. Da bin ich dann doch zu sehr Realist. Auch wenn ich über finanzielle Freiheit blogge, würde ich mir keine blanko ausbezahlten Geldbeträte oder sonstigen Reichtümer wünschen. Ganz im Gegenteil. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir wünschen am Ende meiner Tage auf mein Leben zurückblicken zu dürfen und zu sagen „Es war gut!“.

Was möchtest du meinen Lesern als Tipp mitgeben?

Übernehmt selbst die Verantwortung für Eure Finanzen! Allein die Tatsache, dass Du Leser von Finanzblogs bist, stimmt mich natürlich zuversichtlich, dass Du bereits den ersten Schritt getan hast, nämlich Information zum Thema zu suchen. Diese Informationen können dann weitergetragen werden und Multiplikator-Effekte haben. Ich hoffe sehr, dass auch Finanzblogs wie Finanzleiter, Meine Finanzielle Freiheit und andere Blogs zum Nachdenken und Selbermachen anregen. Wenn daraus Veränderung aufkeimen können, nämlich jeder einzelne Verantwortung für seine Finanzen und Vorsorge trifft und dazu noch einen positiven Mindset auf die Gesellschaft und Ihre Entwicklung anwendet, ist glaube ich schon viel gewonnen!
~Ende~
Damit wünsche ich dir einen guten Rutsch ins neue Jahr und wünsche dir viel Glück und Gesundheit!